30.01.26 –
Sachverhalt:
Nach Auskunft der Familienbegleiterinnen in der Dodesheide als auch im Schinkel ist es vor allem in diesen Stadtteilen schwer, Termine bei Kinderärzt:innen zu bekommen. Manche Arztpraxen würden sogar überhaupt keine neuen Patient:innen mehr aufnehmen, sodass die Familien für einen Kinderarztbesuch häufig weite Wege durch die Stadt auf sich nehmen müssten.
Wenn dann die Familien nicht mobil sind oder im Fall, dass weitere Kinder der Familien für den Arztbesuch untergebracht werden müssten, würde in der Folge auf vermeintlich nicht dringliche Besuche in der Praxis notgedrungen verzichtet. Mit dem Ergebnis, dass notwendige Untersuchungen, vor allem Vorsorgeuntersuchungen ausbleiben.
Vor diesem Hintergrund fragen wir die Verwaltung:
In ihrer Mitteilungsvorlage vom 10.02.2026 antwortete die Verwaltung wie folgt:
Zu 1.:
Grundlage für die Beurteilung der Patientenversorgung bildet die Bedarfsplanung für Kinderärzte in Deutschland. Diese wird ermittelt anhand der auf Basis der gesetzlichen Regelungen des SGB V erlassenen Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) über die Bedarfsplanung sowie die Maßstäbe zur Feststellung von Überversorgung und Unterversorgung in der vertragsärztlichen Versorgung. Wichtigste Größe stellt bei der Berechnung die Anzahl der zu versorgenden Kinder und Jugendlichen im Planungsbereich dar. Diese Planung soll dazu dienen, eine flächendeckende, bedarfsgerechte Versorgung mit Ärztinnen und Ärzten sicherzustellen. Für den Bereich der Stadt Osnabrück erfolgt die Berechnung durch die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Niedersachsen. Eine zusätzliche Differenzierung nach Stadtteilen wird bei der Bedarfsberechnung nicht abgebildet. Nach der aktuell vorliegenden Bedarfsberechnung liegt ein Versorgungsgrad von 129,3 Prozent vor. Der Bereich der Stadt Osnabrück ist daher derzeit für weitere Niederlassungen gesperrt. Eine Neuberechnung wird zeitnah noch im Frühjahr 2026 erwartet.
Die Planung und Umsetzung der Versorgungssicherheit obliegt also ausschließlich der Kassenärztlichen Vereinigung (KV). Es kann seitens der Verwaltung keine valide Beurteilung der Patientenversorgung vorgenommen werden. Eine Überprüfung oder Mitgestaltung der Planungs- und Vergabeprozesse bezüglich der Praxissitze seitens der KV kann durch die öffentliche Verwaltung nicht vorgenommen werden und fällt auch nicht in ihren Kompetenzbereich.
Gleichwohl nehmen beispielweise die Familienbegleiterinnen in ihrer täglichen Arbeit die kinderärztliche Versorgung als unzureichend wahr (siehe unter 2.)
Zu 2.:
Da die Bedarfsplanung durch die KV Niedersachsen lediglich für den Bereich der Stadt Osnabrück erfolgt, werden von dort keine kleinräumigen Daten zur kinderärztlichen Versorgung zur Verfügung gestellt.
Gleichwohl gibt es Hinweise aus der praktischen Arbeit vor Ort, dass einzelne Stadtteile im Hinblick auf unterschiedliche Bedarfe besonderer Aufmerksamkeit bei der wohnortnahen kindermedizinischen Versorgung bedürfen. Dazu hat beispielhaft der Fachbereich Kinder, Jugendliche und Familien, Team Familienbegleitung und Sozialer Dienst seine Perspektive aus der Praxis im Schinkel und der Dodesheide dargestellt und berichtet, dass es dort „sehr schwierig [ist], zeitnah Termine bei Kinderarztpraxen zu erhalten. Mehrere Praxen haben einen dauerhaften Aufnahmestopp für neue Patienten, sodass Familien gezwungen sind, auf Kinderarztpraxen im Landkreis (Dissen, Georgsmarienhütte, Bissendorf/Wissingen, Belm) auszuweichen. Ein erheblicher Teil der begleiteten Familien ist nicht mobil und auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen.“
Der Stadtteil Schinkel ist ein Stadtteil mit erhöhtem Aufmerksamkeitsbedarf. Er hat einen besonders hohen Anteil an Kindern in der Bevölkerung. Darunter sind viele Familien mit Migrationshintergrund und auch viele Familien mit Anspruch auf Transferleistungen. Mit Sorge hat der Fachbereich für Kinder, Jugendliche und Familien die Situation der zukünftigen Kinderarztversorgung im Stadtteil Schinkel im Blick. Die Kindereingangsuntersuchungen verdeutlichen, dass bei einer hohen Anzahl von Kindern gesundheitliche Auffälligkeiten diagnostiziert wurden, was die Wichtigkeit einer guten kinderärztlichen Versorgung verdeutlicht. Im Rahmen der Präventionsketten hat der Fachdienst Familie/Sozialer Dienst bereits vor Jahren ein Projekt zwischen der Familienberatungsstelle der AWO und der Kinderarztpraxis in Schinkel initiiert um möglichst schon im Kleinkindalter Eltern medizinisch und parallel mit Erziehungsberatung gut zu versorgen. Dafür ist die Erziehungsberatungsstelle regelmäßig vor Ort in der Kinderarztpraxis. Auch dieses Projekt, das ein hervorragendes Beispiel für eine gute Vernetzung und Kooperation zwischen dem Gesundheitssektor und der Jugendhilfe darstellt, sollte unbedingt beibehalten werden.
In der Verwaltung werden deshalb weitere Überlegungen zur Verbesserung der gesundheitlichen Situation der Kinder im Stadtteil Schinkel angestellt. Im Zuge der konkreten Planungen ist hierzu die Beantragung von Fördermitteln beabsichtigt.
Zu 3.:
An dieser Stelle verweisen wir im Wesentlichen auf die Ausführungen der oben beantworteten Fragen 1 und 2.
Wichtig bleibt, die Situation in den einzelnen Stadtteilen gut im Auge zu behalten. Für den Stadtteil Schinkel führen wir derzeit intensive Gespräche und loten sich daraus ergebende mögliche kommunale Handlungsoptionen aus. Dabei wird auch die Verteilung der Kinderarztpraxen in den Stadtteilen in den Fokus genommen und diese genauer beleuchtet. Die Verwaltung wird berichten, wenn belastbare Ergebnisse vorliegen.
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Anfrage | Gesundheit, Verbraucherschutz | Kinder, Jugend, Familie
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