BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Ratsfraktion Osnabrück

Verbesserung der ambulanten Pflege in Osnabrück

Verbesserung der ambulanten Pflege in Osnabrück / Anfrage der Gruppe Grüne/SPD/Volt im Sozial- und Gesundheitsausschuss am 18.03.2026

17.03.26 –

Sachverhalt:

Die ambulante pflegerische Versorgung in Osnabrück steht zunehmend unter Druck. Die Vielzahl unterschiedlicher Träger erbringt einen unverzichtbaren Beitrag für die Versorgung pflegebedürftiger Menschen in unserer Stadt. Gleichzeitig berichten Pflegedienste von Kapazitätsgrenzen und einer steigenden Zahl abgelehnter Pflegeanfragen. Diese Entwicklung belastet insbesondere pflegende Angehörige, die immer häufiger Versorgungslücken auffangen müssen und dabei selbst an ihre Grenzen geraten.

Vor diesem Hintergrund bitten wir um die Beantwortung folgender Fragen:

  1. Wie bewertet die Verwaltung die aktuelle Situation der ambulanten Pflege in Osnabrück hinsichtlich Kapazitäten, abgelehnter Anfragen und Belastung der pflegenden Angehörigen?
  2. Welche Möglichkeiten zur Optimierung der aktuellen Situation sieht die Verwaltung in einem Koordinierungstreffen aller ambulanten Pflegedienste im Stadtgebiet, um insbesondere einen Austausch über Fahrzeiten, Einsatzgebiete und Formen der gegenseitigen Unterstützung – etwa bei spezialisierten Dienstleistungen wie dem Hausnotruf – zu fördern?
  3. Inwiefern kann die Stadt Osnabrück eine moderierende Rolle übernehmen, um gemeinsame Interessen der ambulanten Pflegedienste zu bündeln und damit sowohl die Pflegequalität als auch die Arbeitsbedingungen der Pflegekräfte nachhaltig zu verbessern?


In ihrer Mitteilungsvorlage vom 18.03.2026 antwortete die Verwaltung wie folgt:

Zu 1.:

Die Verwaltung analysiert die Situation der ambulanten Pflegedienste regelmäßig durch eine wiederkehrende Online-Befragung zum Angebot, zur Auslastung, Versorgungssicherheit und Herausforderungen der ambulanten Dienste (APD) für ein Monitoring und für die Erstellung der Pflegeberichte. Darüber hinaus ergänzen regelmäßige qualitative Interviews mit den Vertretern der ambulanten Dienste für das Stadtgebiet zu den genannten Themen das Lagebild. Ergänzend wird in den regelmäßigen Netzwerktreffen der ambulanten Pflegedienste die Situation für die Dienste und pflegenden Angehörigen erörtert. Die Erkenntnisse sind in den aktuellen Pflegebericht der Stadt Osnabrück eingeflossen, aus dem im Folgenden zitiert wird. Nach aktuellen Rückmeldungen des SPN und der Sprecher der APD gelten die dortigen Aussagen nach wie vor:

Kapazitäten:

Die Anzahl der APD im Stadtgebiet ist konstant (vgl. S. 25), die Anzahl der Mitarbeitenden stagniert (vgl. S. 59). Gleichzeitig steigt die Zahl der Pflegebedürftigen in der Häuslichkeit (vgl. S. 20) und im speziellen in der ambulanten Pflege (vgl. S. 32). In Osnabrück ist „auf Basis der Befragung davon auszugehen, dass das gesamte Stadtgebiet grundsätzlich durch Pflegedienste angefahren wird. Eine Unterversorgung bestimmter Stadtteile ist nicht zu erkennen. […] Die Nachfrage nach ambulanten Pflegediensten ist generell hoch. Für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen ist es in den letzten Jahren schwerer geworden, einen Pflegedienst zu finden. Insbesondere im Herbst und in den Wintermonaten ist die Nachfrage höher. Dann lehnen Pflegedienste häufiger angefragte Leistungen ab“ (S. 33f.). Insgesamt sind die Anfragen und Erbringung der ambulanten Sachleistungen „kleinteiliger geworden: pro pflegebedürftige Person werden weniger Leistungen erbracht“ (S. 34). Der gleichbleibende Aufwand für Fahrt und Koordination pro Klienten verringert die Kapazität für Pflegeleistungen. Zudem ist die Kapazität für Pflegeleistungen durch wirtschaftliche Herausforderungen wie „eine zu geringe Refinanzierung von langen Fahrtwegen und bestimmten SGB-V-Leistungen“ begrenzt. Laut Online-Befragung ist die Besetzung freier Stellen von Fachkräften und Assistenzkräften schwierig. „Nicht auszuschließen ist, laut Aussagen der Sprecher der Pflegedienste, dass durch Kündigung von Mitarbeitenden Verträge mit Pflegebedürftigen aufgelöst werden müssen, da bestimmte Touren nicht durch das verbliebene Personal übernommen werden können“ (S. 35).

Abgelehnte Anfragen:

„Laut Online-Befragung 2024 ist davon auszugehen, dass etwa die Hälfte der Anfragen abgelehnt wird. Hauptsächliche Ablehnungsgründe der Anbietenden sind vornehmlich die räumliche Lage sowie besondere angefragte Leistungen, wie etwa ausschließlich hauswirtschaftliche und Betreuungsleistungen im Pflegegrad 1 oder Wundversorgung (SGB V). Laut Befragung liegen diesen Ablehnungen auch wirtschaftliche Aspekte zugrunde (z.B. Versorgung kann innerhalb der Leistungskomplexes nicht wirtschaftlich erfolgen)“ (S. 34).

Belastung pflegende Angehöriger:

„Die Anzahl der An- und Zugehörigen, die gegenwärtig Unterstützung leisten, wird in der Pflegestatistik nicht erfasst. Es wird jedoch geschätzt, dass auf eine pflegebedürftige Person in der häuslichen Umgebung im Durchschnitt etwa zwei Pflegepersonen kommen“ (S. 28). Somit wird die Zahl der pflegenden Angehörigen in Osnabrück bei 8.385 Pflegebedürftigen in der Häuslichkeit im Jahr 2023 auf 14.036 bis 16.064 Personen geschätzt. Sie erbringen im Durchschnitt 2,6 Stunden pro Tag im Wochendurchschnitt mit der Pflege. Frauen machen mit 61,4 % den Hauptteil der Pflegeleistenden aus (S. 29). Durch die körperliche und zeitliche Belastung sinkt die Wahrscheinlichkeit einer Erwerbstätigkeit nachzugehen mit zunehmender Pflegedauer und einem Pflegeumfang von mehr als einer Stunde pro Tag. „Obgleich die Pflege eines Angehörigen von vielen Pflegenden als sehr sinnstiftend beschrieben wird, fühlen sich doch mehr als drei Viertel aller informell Pflegenden durch diese Tätigkeit stark oder sehr stark belastet (TNS 2017). Im Vergleich zur Gesamtbevölkerung weisen sie einen deutlich verschlechterten subjektiven Gesundheitszustand auf (Bestmann et al. 2014). Laut einer weiteren Studie verschlechtert sich mit zunehmendem Pflegeaufwand die psychische Gesundheit der pflegenden An- und Zugehörigen“ (S. 30).

Finanzielle Belastungen:

Die finanziellen Belastungen der Pflegebedürftigen steigen: bei der gestiegenen Nachfrage nach nur kleinteiligen Sachleistungen „vermuten Pflegedienste in Interviews und in der Osnabrücker Online-Befragung (neun von 12 Dienste), dass ihre Klientinnen und Klienten aufgrund der stark gestiegenen Zuzahlungen bei den Leistungen in allen Pflegegraden weniger Pflegeleistungen in Anspruch nehmen, als sie aus pflegefachlicher Sicht bräuchten oder sinnvoll wären. Innerhalb von zweieinhalb Jahren bis Februar 2024 betrugen die Kostensteigerungen rd. 40 %. Acht Dienste sehen diese zunehmende Entwicklung bei den Klienten gegenüber dem Jahr 2020. Nach Aussagen der Pflegedienste kann von einer selbstgewählten oder finanziell erzwungenen Unterversorgung gesprochen werden. Teilweise zögerten Pflegebedürftige und Angehörige die Inanspruchnahme von Leistungen auch z.T. bis zuletzt hinaus. Vereinzelt seien bei den Klientinnen und Klienten auch Vorbehalte bzgl. der Beantragung von Sozialleistungen aus dem Bereich Hilfe zur Pflege zu beobachten” (S. 34f.).

Zu 2.:

Es gibt seit 2021 regelmäßige Netzwerktreffen der ambulanten Pflegedienste für Stadt und Landkreis Osnabrück, die der Fachbereich Soziales der Stadt gemeinsam mit der Verwaltung des Landkreises koordiniert. Ziele dieses Formats sind Vernetzung der APD sowie Transparenz und Wissen über die Versorgungssituation in der Region, damit Pflegebedürftige passgenauer und effektiver versorgt werden können. Dies ist eine Maßnahme im Rahmen der Osnabrücker Pflegestrategie im Handlungsziel 1 Vernetzung (vgl. S. 73 ff.).

Zu den Netzwerktreffen werden immer alle APD in Stadt und Landkreis eingeladen. Auf den Netzwerktreffen findet konkret ein Austausch sowie gegenseitige Beratungen und Hilfestellungen zu verschiedenen Themen und Herausforderungen statt. Regelmäßig nehmen 30 bis 40 Vertreterinnen und Vertreter der APD aus der Region Osnabrück bei den Treffen in meist hybrider Form teil. Die Themenschwerpunkte setzen die Verwaltungen und die vier gewählten Sprecherinnen und Sprecher der APD gemeinsam. Die Verwaltung (insb. der SPN) hat in diesem Format z.B. bereits mehrfach die Abstimmung über Einsatzgebiete der APD angeregt. Bisher haben die teilnehmenden Pflegedienste diesen Vorschlag mit der Begründung abgelehnt, dass Pflegebedürftige die freie Wahl der Pflegedienste haben (sollten). Generell würden sowohl Pflegebedürftige als auch APD schon selbst nach räumlichen Kriterien auswählen. Zudem seien durch den Austausch bereits intensivere Kontakte zwischen einzelnen APD entstanden, die sich gegenseitig mit Empfehlungen und Übernahmen von Klienten unterstützen.

Zu 3.:

Auf den Netzwerktreffen der ambulanten Pflegedienste für Stadt und Landkreis Osnabrück übernehmen die Fachbereiche Soziales aus Stadt und LK Osnabrück eine moderierende Rolle. Sie bündeln gemeinsame Interessen der APD und unterstützen bspw. Stellungnahmen an Landes- oder Bundesministerien. Fachimpulse durch die Osnabrücker Hochschule, den Bildungseinrichtungen Pflege und pflegefachliche Akteure, z.T. auch aus den eigenen Reihen der APD, geben einen Wissens-Input. Durch die Delegierten-Funktion der vier gewählten Sprecherinnen und Sprecher werden die Interessen und gewünschten Themen der APD auch in die örtliche Pflegekonferenz getragen und dort behandelt. Damit leistet das Netzwerktreffen auch für die Verwaltungen einen wertvollen Beitrag zur Erkenntnisgewinnung, wenn es um die Versorgungssituation und die begrenzten Handlungsoptionen auf lokaler Ebene geht.

Die Verwaltung und die Sprecher der Pflegedienste sowie einzelne Pflegedienste in der Stadt sehen angesichts der steigenden Anzahl von Pflegebedürftigen „einen weiteren Bedeutungsgewinn bei der Rolle von An- und Zugehörigen sowie Unterstützungssettings im Quartier, die insbesondere in städtischen Gebieten in den Fokus genommen werden müssten“ (S. 36). Daher wird das Thema auch zukünftig in den Netzwerken besprochen werden.

Kategorie

Anfrage | Gesundheit, Verbraucherschutz

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