BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Ratsfraktion Osnabrück

Zwischenbilanz des Winterdienstes in Osnabrück

Zwischenbilanz des Winterdienstes in Osnabrück / Anfrage der Gruppe Grüne/SPD/Volt im Betriebsausschuss Osnabrücker ServiceBetrieb am 26.02.2026

20.02.26 –

Sachverhalt:

Wie große Teile Deutschlands erlebt auch die Stadt Osnabrück einen vergleichsweise strengen Winter mit Schnee und Eis.

Vor diesem Hintergrund fragen wir die Verwaltung:

  1. Wie fällt die Zwischenbilanz des diesjährigen Winterdienstes aus?
  2. Wo gab es besondere Herausforderungen, wo wurden Pläne unter Umständen angepasst und wo wird Verbesserungspotential gesehen?
  3. Nach welchen Prioritäten erfolgt das Räumen von Schnee und Eis auf den Straßen und Gehwegen?


In ihrer Mitteilungsvorlage vom 26.02.2026 antwortete die Verwaltung wie folgt:

Zu 1.:

Die Zwischenbilanz fällt positiv aus und zeigt einen strukturierten Winterdienst, der die Herausforderungen bei einer für Osnabrück ungewöhnlich langanhaltenden und intensiven Winterperiode zuverlässig bewältigt hat. Während die Stadt in den letzten Jahren oft nur punktuelle Winterereignisse erlebte, fordert die aktuelle Saison den Osnabrücker Servicebetrieb (OSB) über mehrere Wochen hinweg dauerhaft und führte zu einem bisher ca. 4- bis 5-fachen Salzverbrauch gegenüber milderen Wintern.

  • Einsatzfähigkeit: Der OSB ist personell und technisch breit aufgestellt, um auf winterliche Lagen zu reagieren. Im Winterdienst sind bis zu 240 Mitarbeitende im Einsatz. Je nach Wetterprognose arbeitet der OSB in einem mehrstufigen System. In der Hochphase (Stufe 6) leistet der OSB einen Volleinsatz im Wechselschichtmodell, wobei ca. 40 Kolleginnen und Kollegen im 24-Stunden-Dienst mit entsprechenden Streu- und Räumfahrzeugen die festgelegten Strecken der Priorität 1 sichern, während weitere 200 Mitarbeitende bedarfsabhängig ab den Nachtstunden weitere Strecken (auch Fußgängerüberwege, Gehwege, Engstellen an Kreuzungen, die nicht mit Räumfahrzeugen bedient werden können, Wochenmärkte, Müllabfuhrstrecken etc.) übernehmen. An dieser Stelle ist die hohe Einsatzbereitschaft der Kolleginnen und Kollegen hervorzuheben. Die Intensität dieser Saison spiegelt sich auch in den erbrachten Winterdienststunden wider, die das Maß durchschnittlicher Wintermonate bereits zum jetzigen Zeitpunkt um ein Vielfaches übersteigt und die Belastbarkeit der Teams fordert.
  • Materialversorgung: Trotz bundesweit knapper Ressourcen ist die Bilanz bei der Materialbeschaffung gut. Durch vorausschauendes Lagermanagement und ein solidarisches Netzwerk mit Partnerkommunen war die Versorgung mit Streusalz in Osnabrück jederzeit lückenlos sichergestellt.
  • Streustrategie: Unsere Streustrategie setzt auf den Fahrbahnen überwiegend auf das FS30-Verfahren (Sole-Salz-Gemisch), das eine sofortige Tauwirkung entfaltet und Verwehungen minimiert. Damit ist auch ein vorbeugendes Streuen bei angekündigter Glätte möglich. Auf Radwegen nutzen wir zudem je nach Strecke die noch umweltschonendere Solelösung FS100, sofern die Temperaturen dies zulassen oder Splitt als abstumpfendes Mittel. Hinsichtlich der Streustrategie sind beim OSB noch weitere Optimierungen auf Basis des bereits vor diesem Winter gestarteten Projektes Winterdienst 2030 geplant.
  • Bedarf an Feinjustierung: Wir nutzen die Erfahrungen der aktuellen Dauerbelastung gezielt für eine erneute Feinjustierung. Da erstmals seit vielen Jahren wieder eine so lange Winterlage auftrat, haben wir punktuelle Optimierungsmöglichkeiten identifiziert, insbesondere beim Streckenbedarf, der weiteren Priorisierung der Schul- und Buswege und der Integration weiterer wichtiger Radstrecken. Ziel ist es auch, die ohnehin präzise arbeitende Reaktionskette noch robuster für langanhaltende Extremwetterlagen zu gestalten.
  • Winterdienstkosten und Ressourcenbindung: Die außergewöhnliche Intensität dieser Saison führt zu einer deutlichen Überschreitung der für 2025/2026 kalkulierten Budgets. Die Auswirkungen werden in die Gebührenkalkulation 2027 einfließen und im Rahmen der diesbezüglichen Beratungen transparent dargestellt. Über die finanziellen Aspekte hinaus binden die massiven Einsatzzeiten personelle Ressourcen, die über das übliche Maß hinausgehen. Dies führte zu Einschränkungen bei der regulären Standardleistungserbringung in anderen Aufgabenfeldern des OSB. Der notwendige Ausgleich der geleisteten Überstunden wird zudem die Kapazitäten für Regelaufgaben im weiteren Jahresverlauf beeinflussen.

Zu 2.:

Die größte Herausforderung in diesem Winter ist die Kombination aus Dauer und Wechselhaftigkeit des Wetters. Osnabrück sah sich nicht nur mit einer einfachen Kälteperiode konfrontiert, sondern mit einer für den Winterdienst komplexen Abfolge unterschiedlicher Wetterphänomene.

  • Unterschiedliche Einsatzszenarien: Jede Wetterlage erforderte eine eigene operative Reaktion. Während bei Schneefall das Räumen im Vordergrund steht, erfordert Blitzeis eine vorausschauende und wiederholte Ausbringung von Sole/Streusalz, um gefährliche Glättebildung zu verhindern und weiter zu bekämpfen. Die „normale“ Straßenglätte durch Restfeuchte hingegen erfordert präventives Streuen in den frühen Morgenstunden. Auch das Antauen von Schnee und erneutem nächtlichen Frieren erfordert ein höheres Maß an Aufwand als einfacher Schneefall oder morgendliche Straßenglätte. Diese Wechsel zwischen den Szenarien stellten hohe Anforderungen an die Einsatzsteuerung und die Interpretation der Wettervorhersagen.
  • Verbesserungspotenzial: Die langanhaltende Lage hat gezeigt, dass die Priorisierung bestimmter Abschnitte im Bereich von Bus- und Schulwegen noch nachhaltiger gestaltet werden kann.
  • Systematisierung von Zusatzbedarfen: Die besondere Wetterlage führte zu zahlreichen kurzfristigen Anfragen zur Mitbetreuung zusätzlicher Flächen (z. B. Höfe der Freiwilligen Feuerwehren oder spezifische städtische Liegenschaften). Da solche ungeplanten Einsätze den OSB in Hochphasen vor erhebliche kapazitative und organisatorische Herausforderungen stellen, wird eine erneute systematisierte Bedarfsabfrage durchgeführt.

Ziel ist es, bis zur nächsten Winterdienstperiode ein abgestimmtes Gesamtkonzept zu erstellen. Hierbei wird im Dialog mit den relevanten Akteuren (wie z.B. städtischen Fachbereichen und Beteiligungen sowie den Stadtwerken und den Freiwilligen Feuerwehren) abgestimmt, welche Flächen der OSB übernehmen kann, wo Prioritäten liegen und wo ggf. eine Fremdvergabe oder eine kurzfristige Unterstützungsleistung sinnvoll ist. Dies schließt ausdrücklich eine weitere Abstimmung zu Buslinien sowie zu Radfahrstreifen und Fahrradstraßen mit ein. Durch diese strategische Planung soll der Winterdienst in der Priorität 1 entlastet und die Sicherung der Hauptrouten dauerhaft gewährleistet werden, während Zusatzbedarfe verlässlich in das Gesamtsystem integriert werden.

Zu 3.:

Die Räumung erfolgt nach einem Prioritätenstufen-System, da bei flächendeckenden Ereignissen nicht alle Orte gleichzeitig bedient werden können:

  • Oberste Priorität (Priorität 1): Hierzu zählen die Hauptverkehrsstraßen (verkehrswichtig und gefahrenträchtige Punkte wie Steigungen) sowie die Sicherstellung der Einsatzfähigkeit von Rettungskräften, Feuerwehr und Polizei. Die Zufahrten zu Krankenhäusern und Rettungswachen werden umgehend und parallel zu den Hauptadern gesichert. Ebenso gehören wichtige Buslinien und das Hauptradnetz zu dieser Stufe.
  • Schul- und Berufsverkehr: Ein besonderer Fokus liegt auf dem ÖPNV, um eine Verlässlichkeit für Pendler und Schülern zu erwirken und um den Schulbetrieb bestmöglich aufrechtzuerhalten.
  • Nachrangige Flächen (Priorität 2): Weitere Straßen und Wege werden erst bedient, wenn die Touren der Priorität 1 stabil abgearbeitet sind. Je nach Wetterlage muss nach einem Durchlauf ein erneuter Beginn bei den Touren der Priorität 1 erfolgen.
  • Anliegerpflichten: Gehwege, für die eine Anliegerpflicht besteht, verbleiben in der Verantwortung der jeweiligen Eigentümer. Der OSB übernimmt den Winterdienst als Anlieger von den durch ihn bewirtschafteten Grundstücken und einzelnen weiteren städtischen Liegenschaften.

Kategorie

Anfrage | Sicherheit | Verkehr | Verschiedenes

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