BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Ratsfraktion Osnabrück

Sachstand zur Verbesserung der Wohnsituation von Auszubildenden

Sachstand zur Verbesserung der Wohnsituation von Auszubildenden / Anfrage der Gruppe Grüne/SPD/Volt in der Ratssitzung am 30.06.2026

24.06.26 –

Sachverhalt:

Bezahlbarer Wohnraum ist eine zentrale Voraussetzung dafür, dass junge Menschen eine Ausbildung in Osnabrück beginnen und erfolgreich abschließen können. Gerade Auszubildende mit geringer Vergütung haben auf dem angespannten Wohnungsmarkt jedoch erhebliche Schwierigkeiten, eine passende Unterkunft zu finden.

Die Mehrheitsgruppe unterstützt daher die Initiative zur Verbesserung der Wohn-, Ausbildungs- und Lebenssituation seitens der WFO, privater Unternehmen und weiterer Akteure und hat in diesem Zusammenhang konkrete Vorschläge eingebracht. Auszubildenden seitens der WFO, privater Unternehmen und weiterer Akteure und hat in diesem Zusammenhang konkrete Vorschläge eingebracht (VO/2025/4862).

Dazu zählen unter anderem der Aufbau einer dauerhaften Trägerstruktur, Gespräche über geeignete Immobilien, die Bündelung von Beratungsangeboten sowie eine verbindliche Beteiligung von Auszubildenden.

Vor diesem Hintergrund fragen wir die Verwaltung:

  1. Wie ist der aktuelle Sachstand bei der Umsetzung des Ratsauftrages, und welche konkreten Gespräche, Arbeitsschritte und Ergebnisse hat es bislang gemeinsam mit der WFO, Unternehmen, Kammern, Gewerkschaften und weiteren Akteuren gegeben?
  2. Welche Immobilien und Träger- beziehungsweise Organisationsmodelle werden derzeit geprüft, und wie bewertet die Verwaltung die Möglichkeit, in Osnabrück ein dauerhaftes „Azubi-Werk“ oder eine vergleichbare Struktur aufzubauen?
  3. Wie sollen bezahlbare Mieten, soziale Beratung und die dauerhafte Mitbestimmung der Auszubildenden sichergestellt werden, und welcher weitere Zeitplan ist für die Umsetzung vorgesehen?

In ihrer Mitteilungsvorlage vom 30.06.2026 antworteten die Verwaltung und die Wirtschaftsförderung WFO wie folgt:

Zu 1.:

Zusammen mit dem Kolpingwerk Diözesanverband Osnabrück als vorgesehener Betreiber für einen "Azubicampus" wurde eine Anforderungsliste erstellt und kontinuierlich weiterentwickelt. Hierfür wurde u.a. ein gemeinsamer Besuch des Jugendwohnens in Oldenburg durchgeführt (mit Kolping, Jugendhilfe, Handwerkskammer, Arbeitsagentur). Die ermittelten Anforderungen wurde mit Immobilienangeboten in zentraler Lage abgeglichen. Das Ergebnis war, dass keine passende Wohnimmobilie im Bestand verfügbar ist und daher ein Neubau geprüft wurde.

Es wurden in der Folge potenziell geeignete Grundstücke ermittelt, deren Verfügbarkeit sowie Möglichkeiten der Finanzierung geprüft und Gespräche mit den Eigentümern geführt. Insgesamt wurden fünf potenzielle Standorte identifiziert, die näher untersucht wurden.

Für zwei besonders aussichtsreiche Standorte wurden - zusammen mit dem bzw. den Investoren - konkrete Pläne zur Umsetzung entwickelt, um die Baukosten näher zu bestimmen. Zwei Standorte wurden zunächst zurückgestellt. Bzgl. der Entwicklung des fünften Standortes laufen weiterhin Gespräche mit der WiO.

Für den ersten der beiden Standorte wurde am 16.03.2026 eine Bauvoranfrage für zwei freistehende Gebäude gestellt (8 WGs mit insgesamt 74 Zimmern). Diese wurde mit Bauvorbescheid vom 10.06.2026 vom Fachbereich Städtebau beantwortet. Aktuell werden vom durch den Investor beauftragten Architekten notwendig gewordene Planänderungen (u.a. Brandschutz, Anzahl Rollstuhlzimmer) geprüft. Zugleich soll nach Möglichkeit unter Anwendung des Bauturbos auf einem der beiden Gebäude ein zusätzliches Stockwerk aufgesattelt werden. Dies würde dann 9 WGs mit ca. 92 Zimmern ermöglichen.

Für den zweiten Standort gibt es ebenfalls konkrete Pläne. Hier wird ein Gebäude mit insgesamt ca. 230 Zimmern geplant, wobei die eine Hälfte vom Kolpingwerk gepachtet und betrieben würde, die andere Hälfte würde vom Investor selbst an Studierende vermietet. Es entstünden Synergieeffekte, die helfen können, die Baukosten senken.

Die Immobilien der beiden Standorte sollen unter Inanspruchnahme des Förderprogramms „Junges Wohnen“ realisiert werden, weswegen die Wohnraumförderstelle und die NBank entsprechend in die Planungen eingebunden sind. Ein Zimmer würde dann max. 380 €/Monat kosten (warm). Der Betrieb/die Betreuung soll im Wesentlichen über die Berufsausbildungsbeihilfe finanziert werden (BAB).

Die Förderrichtlinie „Junges Wohnen“ soll (voraussichtlich rückwirkend) zum 1.7. geändert werden. Die Stadt Osnabrück hat zum Richtlinienentwurf eine Stellungnahme abgegeben. Insbesondere die Benachteiligung Minderjähriger, indem künftig nur Wohnraum für Volljährige gefördert werden soll, ist nicht nachvollziehbar, da mehr als jeder vierte Auszubildende ist bei Ausbildungsbeginn minderjährig ist. Ein Ausschluss dieser Zielgruppe würde das Konzept erheblich einschränken und einen großen Teil des tatsächlichen Bedarfs unberücksichtigt lassen. Alle Versuche seitens der Stadtverwaltung in dieser Angelegenheit Einfluss auf Landesregierung und Landtagsabgeordnete zu nehmen führten bisher nicht zum gewünschten Erfolg.

Die Planungen müssen daher nun an die neue Richtlinie angepasst werden. Sollte eine Förderung nach Veröffentlichung der neuen Richtlinie nicht mehr in Betracht kommen, wäre der Azubicampus voraussichtlich aus wirtschaftlichen Gründen nicht länger realisierbar.

Parallel wird die Beantragung der Betriebserlaubnis durch das Landesjugendamt vorbereitet, die für den Betrieb eines Jugendwohnheims für Auszubildende ab 16 Jahren gesetzlich vorgeschrieben ist. Hierfür sind u.a. vorab die räumlichen und baulichen Voraussetzungen zu klären und ein Betriebs- und Betreuungskonzept zu erstellen.

Für die Beantragung der Betriebserlaubnis und die folgenden Entgeltverhandlungen wurden Angebote externer Dienstleister eingeholt, die das Kolpingwerk unterstützen sollen. Dies beinhaltet auch die finale Bewertung bzw. Auswahl des Standortes.

Zu 2.:

Die Stadtverwaltung verfolgt gemeinsam mit der WFO und weiteren Akteuren das Ziel, die Wohnsituation von Auszubildenden in Osnabrück nachhaltig zu verbessern. Im Mittelpunkt der aktuellen Aktivitäten steht die Entwicklung eines Jugendwohnheims mit sozialpädagogischer Betreuung („Azubicampus“) in Zusammenarbeit mit dem Kolpingwerk Diözesanverband Osnabrück als vorgesehenem Träger. Hierzu wurden Anforderungen an Immobilienstandorte und Trägerstrukturen erarbeitet und mit dem verfügbaren Immobilienangebot sowie potenziellen Investoren abgeglichen (s. auch Antwort zu 1.).

Im Rahmen dieser Arbeiten werden verschiedene Immobilienoptionen betrachtet, darunter sowohl Bestandsgebäude als auch Neubauvorhaben in zentraler Lage. Für mehrere Standorte wurden – in enger Abstimmung mit Investoren, Kolpingwerk, Wohnraumförderstelle und NBank – konkrete Planungen entwickelt, die unter anderem Fragen der Finanzierung, der Ausgestaltung von Wohn- und Gemeinschaftsflächen sowie der sozialpädagogischen Betreuung berücksichtigen. Die Realisierung soll nach Möglichkeit unter Nutzung des Förderprogramms „Junges Wohnen“ sowie weiterer Förderinstrumente erfolgen.

Parallel dazu werden unterschiedliche Träger- und Organisationsmodelle grundsätzlich daraufhin betrachtet, wie sie zur Schaffung eines dauerhaft tragfähigen Angebots für Auszubildende in Osnabrück beitragen können. Hierzu zählen klassische Modelle mit einem freien Träger der Jugendhilfe (z. B. Kolpingwerk), Konstellationen unter Beteiligung privater Investoren und Wohnungsunternehmen sowie Mischformen, in denen Wohnangebote für Auszubildende mit studentischem Wohnen oder anderen Zielgruppen kombiniert werden, um Synergieeffekte zu nutzen. Ziel ist es, eine Struktur zu entwickeln, die sowohl wirtschaftlich darstellbar als auch sozialfachlich überzeugend ist (s. auch Antwort zu 1.).

Vor diesem Hintergrund wird die Idee eines dauerhaft angelegten „Azubi-Werks“ beziehungsweise einer vergleichbaren Struktur aus Sicht der Verwaltung als perspektivisch interessante Option bewertet. Ein solches Modell könnte – aufbauend auf den Erfahrungen mit dem Azubicampus und den dort geschaffenen betreuten Wohnangeboten – langfristig eine zentrale Anlaufstelle für Auszubildende mit Wohn-, Beratungs- und Beteiligungsangeboten bündeln. Angesichts der derzeitigen Fokussierung auf die konkrete Realisierung der ersten Projekte und der noch laufenden Abstimmungen mit Fördermittelgebern, Investoren und dem Landesjugendamt bedarf die Ausgestaltung eines „Azubi-Werks“ jedoch einer vertieften konzeptionellen und wirtschaftlichen Prüfung im weiteren Verlauf.

Aus Sicht der Verwaltung erscheint es daher sinnvoll, zunächst die laufenden Planungen zum Azubicampus und den damit verbundenen Träger- und Organisationsstrukturen weiter voranzubringen und hier belastbare Erfahrungen zu sammeln. Auf dieser Grundlage kann anschließend bewertet werden, in welcher Form ein dauerhaftes „Azubi-Werk“ oder eine vergleichbare Struktur für Osnabrück konkret entwickelt und gegebenenfalls mit bestehenden Angeboten verzahnt werden kann.

Zu 3.:

Das Kolpingwerk Diözesanverband Osnabrück plant mit Unterstützung der WFO die Entwicklung des „Azubicampus“. Dieses Projekt soll jungen Menschen ab 16 Jahren bezahlbaren Wohnraum in Verbindung mit pädagogischer Begleitung bieten. Die Betreuung soll durch das Kolpingwerk als erfahrenen Träger erfolgen.

In den letzten Monaten haben sich laut WFO zwei Standorte herauskristallisiert, an denen – Stand heute – ein „Azubicampus“ in den kommenden 2,5 bis 3 Jahren in zentraler Lage realisiert werden könnte. Die reine Bauzeit wird dabei mit 18 bis 20 Monaten angesetzt.

Kategorie

Anfrage | Arbeit, Wirtschaft | Wohnen

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