
03.07.26 –
Seit Ende April wird in Osnabrück über die Weiterentwicklung unserer Stadtbibliothek diskutiert. Das ist gut und wichtig für den Bildungsstandort und die Wissensgesellschaft. Die Stadtbibliothek ist eines unserer zentralen Kulturangebote mit einem sehr engagierten Team. Es wird aber deutlich, dass allzu oft die räumlichen Bedingungen neuen Formaten und Angeboten Grenzen setzen.
Für die leerstehende Immobilie in der Krahnstraße 43, den meisten Osnabrücker:innen bekannt als jahrzehntelanger Sitz des traditionsreichen Schreibwarengeschäfts „Prelle“, wird eine neue Nutzung gesucht. Das Gebäude gehört nicht der Stadt. Die Verwaltung hat vorgeschlagen, die Kinderbibliothek aus der zweiten Etage des Hauptstandortes am Markt herauszulösen und in diesem Gebäude unterzubringen. Darüber haben wir in den letzten Wochen intensiv in verschiedenen Fachausschüssen beraten.
Für uns standen dabei vor allem folgende Fragen im Mittelpunkt:
Wir haben uns nach intensiven Diskussionen in den Ausschüssen und in der Fraktion dazu entschieden, denn nächsten Schritt im Verfahren zu gehen, aber auch die Bedingungen formuliert, die nach unserer Auffassung erfüllt werden müssen, damit dieser Weg auch zu Ende gegangen werden kann. Es ist klar geregelt: Sollten die Bedingungen nicht erfüllt werden und das Gebäude Krahnstraße 43 nicht für die geplante Nutzung geeignet sein, ist es an der Verwaltung, alternative Standorte für eine Bibliothekserweiterung im Innenstadtbereich zu suchen.
Auch wir sehen durchaus noch Punkte, an denen dieses Projekt am Ende scheitern kann. Es ist möglich und legitim, in der Abwägung der Argumente zu einem anderen Ergebnis zu kommen. Dann ist es aber ehrlicher, dies klar zu sagen und nicht die Entscheidung aufzuschieben.
Mit der Tiny Library an der Stadtbibliothek ist bereits ein erster Schritt gemacht worden, um mit dem Platzmangel kreativ umzugehen. Die Herauslösung der Kinderbibliothek ist ein nächster und einschneidenderer Schritt. Weil sich diese Gelegenheit jetzt ergibt, ist die Fachverwaltung gefordert, ein solches dezentraleres Konzept weiter zu denken. Kann eine Art „Bibliothekscampus“ unser Weg zu erfolgreicher und moderner Bibliotheksarbeit sein? Bibliotheken sind schon lange kein Ort der reinen Buchausleihe mehr. Sie werden zu lebendigen Treffpunkten und innovativen Lernorten. Kann der öffentliche Raum als Bindeglied zwischen verschiedenen Bibliotheken und Angeboten dabei eine positive Rolle spielen? Oder ist der Standort Krahnstraße am Ende „nur“ die Zwischenlösung bis wir uns den großen Traum von einer großen zentralen Lösung erfüllen können?
Vieles ist möglich und es ist gut, dass die Debatte Fahrt aufgenommen hat. Im Dezember 2022 hatte der Rat der Stadt Osnabrück in der gleichen Zusammensetzung wie aktuell, die Verwaltung einstimmig beauftragt, „die Entwicklung eines Dritten Ortes an einem zentralen Ort in der Innenstadt bis zu einer Erholung der städtischen Finanzsituation zurückzustellen und vorerst nicht daran weiterzuarbeiten.“ Die finanziellen Möglichkeiten sind seitdem noch dramatisch schlechter geworden und niemand, auch nicht die Kritiker:innen der aktuellen Entscheidung, kann einen Weg zur Umsetzung eines solchen Vorhabens realistisch aufzeigen.
Dass wir uns von der Idee eines Dritten Ortes/„Haus des Wissens“ jedoch nicht grundsätzlich verabschieden wollen, betont nicht nur unser Antrag „Möglichkeiten zur Nachnutzung der Hauptschule Innenstadt prüfen“ aus April, sondern auch unser Änderungsantrag, der in der Juni-Ratssitzung mehrheitlich Unterstützung bekam.
Wir wollen aber nicht auf irgendwann warten und sind überzeugt, dass mit dieser Gelegenheit, die sich an der Krahnstraße aufgetan hat, die substanzielle Weiterentwicklung unseres Bibliotheksangebots zeitnah möglich ist. Die Verwaltung kann nun zusammen mit dem Eigentümer die nächsten Schritte gehen. Wir werden dabei ganz genau hinschauen.
Hier geht es zu unserem Beschluss vom 30. Juni im Osnabrücker Rat.
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